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Das Filmmuseum Frankfurt über Andrej Tarkovskij anläßlich einer Retrospektive
1994
Andrej
Tarkovskij
4.
April 1932 - 29. Dezember 1986
Nur
54 Jahre ist Andrej Tarkovskij geworden, und nur wenige Filme umfaßt sein
Werk. Dennoch ist er einer der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart,
der in seinen Filmen einen einzigartigem visuellen Stil entwickelt hat.
Seine Filme seien nicht Symbol, sagte Tarkovskij einmal, sondern "Faktur",
Ausdruck einer Wirklichkeit, die er als Regisseur gleichsam aus dem Nichts
heraus erschaffe.
ln allen seinen Filmen glaubt der Zuschauer, mehr zu sehen und zu spüren,
als das Sicht- und Hörbare auf der Leinwand, und Bilder und Töne scheinen
bei ihm eine neue, irritierende Verbindung einzugehen.
"So ist Andrej Rubljow mehr als die Geschichte
eines lkonenmalers und seiner Epoche, Solaris
mehr als eine Weltraumerfahrung, Stalker mehr
als die Erforschung einer verwüsteten und verbotenen Landschaft, Nostalghia
mehr als die Begegnung von Heimweh und Widerstand gegen dieZerstörung
der Welt, Der Spiegel mehr als die raunende
Beschwörung der Kindheit. Alle diese Filme mahnen einen Mehrwert des Lebens
an, gemahnen an den Mehrwert des Unterbewußten oder Unbewußten, der Träume
und der verschütteten und archaischen Kräfte des Lebens, jenseits der
gesellschaftlichen und politischen Ordnungen" (Peter W. Jansen).
Mit diesen
politschen Ordnungen hatte der Regisseur seine Schwierigkeiten. Obwohl
sein erster Film "Iwans Kindheit", der
die Geschichte eines Jungen erzählt, der Kundschafter im Zweiten Weltkrieg
wird, um den Tod seiner Eltern zu rächen, 1962 auf dem Festival von Venedig
mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, gaben die sowjetischen Behörden
sein nächstes Werk Andrej Rubljow, an dem er
von 1964-66 arbeitete, erst Jahre nach seiner Fertigstellung und mit erheblichen
Schnittauflagen in der Sowjetunion frei. Seine letzten beiden Filme drehte
Tarkovskij im Westen. Nostalghia beschreibt
die Sehnsucht nach der mystischen Welt des Ostens. Opfer
drehte erin der Einöde Schwedens, in der ein Mann sich Gott opfern
will, um die Menschheit aus dem Wahnsinn der modernen Zivilisation zu
retten.
Andrej Tarkovskij
- Eine kurze Biographie
Andrej Tarkovskij
war, vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet, einer der bedeutendsten
Regisseure überhaupt. Wegen seines hohen künstlerischen Anspruchs, dem
starken Druck der russischen Zensurbehörden, die gegen seine Filme stets
starke ideologische Bedenken hegten, und schlechter finanzieller Verhältnisse,
konnte Tarkovskij zu Lebzeiten nur die relativ geringer Zahl von 7 Kinofilmen
drehen.
Andrej, der Sohn des Dichters und Übersetzers Arsenij Tarkovskij wurde
am 4. April 1932 in Sawraschje, einem nordöstlich von Moskau gelegenen
Dorf geboren.
Die Eltern trennten sich recht früh und Andrej lebte fortan mit seiner
Schwester Marina bei der Mutter. Neben dem regulären Unterricht in einer
Moskauer Schule hatte er das Privileg an Musik- und Zeichenkursen teilzunehmen.
1951 nahm Andrej ein Studium am Institut für östliche Sprachwissenschaften
auf, das er aber wenige Jahre später abbrach.
Die Teilnahme an einer geologischen Forschungsexpedition 1954 brachte
ihn dazu, sich um eine Aufnahme an der Filmhochschule in Moskau (WGIK)
zu bewerben. Er wurde aufgenommen, und Michail Romm wurde sein einflußreichster
Lehrer.
Nach seinem Diplomfilm Walze und Geige begann
er 1961 an den Arbeiten zu seinem ersten grossen Kinofilm Iwans
Kindheit , der 1962 auf den Festspielen in Venedig mit dem "Goldenen
Löwen" ausgezeichnet wurde.
Auf einem
Schlag wurde Tarkovksy zu einem Regissuer internationaler Reputation,
und sofort zog er das Mißtrauen der russischen Zensurbehörden auf sich.
Es wurde für ihn von nun an äusserst schwierig, Filme zu drehen, denn
die Finanzierung russicher Filme erledigte ausnahmslos das Institut der
sowjetischen Filmbehörde.
Tarkovskij
war ein sehr moralischer Mensch. Das ständige Erwehren gegen bürokratische
Widerstände und das Kämpfen um die Freigabe seiner Filme (die ihm neben
seiner Familie alles bedeuteten), belastete ihn psychisch schwer und wirkte
sich auch sehr negativ auf seine Gesundheit aus.
Es folgten seine wichtigsten Filme: Andrej Rubljev,
Solaris, Mirror,
und Stalker (nach Motiven einer Erzählung
von Boris und Arkadij Strugatzki).
Nach einer
Hamlet-Inszenierung an einem Theater in Moskau wurde Tarkovskij nach Italien
eingeladen, wo er seinen nächsten Film Nostalghia
drehte.
Trotz starkem Heimweh und Sehnsucht nach seiner Familie, entschloß sich
Tarkovskij, im Exil in Italien zu bleiben. 1985 erschien sein vielbeachtetes
Buch Sculpting in Time über die Poetik des Films.
Von Berlin aus, wo er sich als Stipendiat aufhielt, bereitete er seinen
nächsten Film The Sacrifice (Opfer)
vor, der Motive aus "Stalker" und "Nostalghia" wiederaufnimmt
und mit visionärer Kraft die Erlösung aus endzeitlicher Gottesferne beschwört.
Opfer wurde Tarkovskij's letzter Film
- er starb ein Jahr nach Abschluss der Dreharbeiten, am 29. Dezember 1986,
in einer Pariser Krebsklink.
Er wurde
nur 54 Jahre alt.
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